Erste Branderde weidet auf Waldbrandschutzstreifen. Projekt deutschlandweit einzigartig
Bei richtigem Management sind sie Garanten für Biodiversität, schützen vor Waldbränden und sind derzeit deutschlandweit einzigartig: 71 Schafe weiden seit dem 11. Juni für etwa einen Monat im Beelitzer Stadtwald. Im Rahmen des Projektes „Pre Graze“ weiden sie den Waldboden am Siebenbrüderweg ab und sorgen so unter anderem dafür, dass weniger Brennmaterial vorhanden ist.
Vorgestellt wurde das Projekt bei einer öffentlichen Begehung am Dienstag (16.06.26) durch die Beelitzer Waldbrandschutzbeauftragte Juliane Baumann, die „PreGraze“ gemeinsam mit der federführenden Hochschule Rottenburg, dem Global Fire Monitoring Center, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Landeskompetenzzentrum Forst initiiert hat. Gefördert wird das auf drei Jahre angelegte Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Eva Mayr-Stihl Stiftung.
„Wir hatten bisher keinerlei Probleme vor Ort, wofür ich mich auch ganz herzlich bei den Beelitzern bedanken möchte. Sie beachten die ohnehin in Brandenburger Wäldern geltende Leinenpflicht und lassen die Schafe und Schutzhunde in Ruhe weiden und wachen. Wir haben mehrere Hinweisschilder vor den Weideflächen angebracht, die über das richtige Verhalten informieren“, sagt Juliane Baumann.
Und sie beschreibt noch einmal, warum das Projekt so wichtig ist: Waldweide war die erste Landwirtschaftsform überhaupt, das Wissen über sie ging aber im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte verloren und erlebte dann als „Moderne Waldweide“ ein großes Comeback im Naturschutz.
„Die Tiere sorgen nicht nur dafür, dass weniger brennbares Pflanzenmaterial in Bodennähe ist und pflegen so die von uns angelegten Waldbrandschutzstreifen. Durch das Grasen der Schafe bilden die Gräser auch ein dichteres Wurzelgeflecht und sorgen dafür, dass der Waldboden insgesamt mehr Feuchtigkeit und CO2 aufnehmen kann. Mit ihren Hufen brechen die Tiere zudem den Moosteppich auf, wodurch auch Laubbäume besser keimen könnten. Und mit ihren Ausscheidungen bieten sie Kinderstuben für seltene Insekten“, so Juliane Baumann weiter.
Knut Kucznik, der stellvertretende Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg, nennt noch einen weiteren wichtigen Aspekt von „Pre Graze“: „Das Projekt bietet uns Schafzüchtern und Hirten die Möglichkeit, besonders genügsame und robuste alte Schafrassen wirtschaftlich zu halten. Würde man den Waldboden mechanisch mähen, um die Brandgefahr zu verringern, würden Insekten vertrieben. Die Beweidung erhöht hingegen die Insektenanzahl noch.“ Die Zahl der Weidetiere habe in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Die Waldweide biete Züchtern und Hirten neue, wichtige Einnahmequellen.
2026 ist das Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums. In diesem Zusammenhang findet auch der Hirtenzug statt, bei dem ein symbolischer Hirtenstab unter anderem durch die Region Berlin/Brandenburg wandert. Im Rahmen des Brandschutztages wurde der Stab dem Hirten im Beelitzer Kommunalwald übergeben.
„In den kommenden drei Jahren wird sich zeigen, welche Veränderungen die Beweidung zum Waldbrandschutz und zur Biodiversität mit sich bringt. Wir wollen die optimalen Variablen zur kontrollierten Beweidung im Forschungsprojekt PreGraze herausbekommen“, erklärt Juliane Baumann. Ihr wissenschaftlich begleitetes Projekt hat bereits international Aufmerksamkeit auf sich gezogen, wobei die Methode in vielen anderen Waldbrandländern bereits erfolgreich angewendet wird.

