1. April 2026 / Aus aller Welt

Forscher warnen: Evakuierung aus Flugzeugen dauert zu lang

Die Evakuierung von Menschen aus einem Flugzeug soll maximal 90 Sekunden dauern. Doch der steigende Anteil älterer Passagiere erschwert dieses Ziel. Forscher haben nun Lösungsvorschläge.

Eigentlich sollen Flugzeug-Evakuierungen maximal 90 Sekunden dauern. (Archivbild)
Veröffentlicht am 1. April 2026 um 04:30 Uhr von dpa

Die Alterung der Gesellschaft hat auch Auswirkungen auf die Rettung von Menschen aus Flugzeugen. Die Dauer von Evakuierungen aus Flugzeugen steige mit dem Alter der Fluggäste, schreibt ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift «AIP Advances». Demnach sind die international vorgegebenen Evakuierungszeiten bei einem hohen Anteil älterer Passagiere zurzeit kaum einzuhalten.

Gemäß der US-Luftfahrtbehörde FAA muss ein Flugzeug im Notfall innerhalb von 90 Sekunden vollständig geräumt sein. Daran orientiert sich auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass dieses Ziel unter realistischen Bedingungen mit Senioren an Bord in keinem von 27 simulierten Szenarien erreicht wurde. Selbst im günstigsten Fall benötigten die Passagiere 141 Sekunden, um ein Flugzeug zu verlassen und den Boden zu erreichen – also fast eine Minute länger als die behördliche Vorgabe.

Die Wissenschaftler um Chenyang Zhang von der kanadischen Universität Calgary hatten die Räumung eines Airbus A320 untersucht, also eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Flugzeugtypen. Als Grundlage diente ein Szenario mit einem Brand beider Triebwerke. In einem solchen Fall sind die Notausstiege direkt über den Tragflächen unpassierbar, sodass lediglich die vier Ausgänge im vorderen und hinteren Bereich der Kabine zur Verfügung stehen.

Anteil an Senioren entscheidend für Dauer der Evakuierung

Für die Studie nutzten die Forscher computergestützte Modelle und eine branchenübliche Simulationssoftware, um das menschliche Bewegungsverhalten in der engen Kabine abzubilden. Dabei wurden drei verschiedene Kabinen-Layouts mit drei unterschiedlichen Anteilen von Passagieren über 60 Jahren kombiniert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sowohl der prozentuale Anteil der Senioren als auch deren genaue Sitzverteilung die Rettungsdauer deutlich beeinflussen.

Die Verzögerungen erklären sich der Studie zufolge aus den körperlichen und geistigen Besonderheiten älterer Menschen. In den Simulationen wurde für Senioren eine deutlich geringere Gehgeschwindigkeit angesetzt. Zudem könnten kognitive Beeinträchtigungen im Alter das Situationsbewusstsein schmälern und die Entscheidungsfindung in Stresssituationen verlangsamen. Auch eine nachlassende Feinmotorik kann demnach das Verlassen der Sitze erschweren.

Empfehlungen für die Luftfahrtindustrie

Die längste Evakuierungszeit wurde mit 218,5 Sekunden in einer dicht bestuhlten Kabine mit 80 Prozent älteren Passagieren gemessen. Um die genannten Risiken zu minimieren, schlagen die Autoren verschiedene Maßnahmen vor: So könnten Fluggesellschaften ältere Passagiere gezielt in der Nähe der Ausgänge platzieren oder die Kabinenarchitektur durch breitere Gänge und optimierte Haltemöglichkeiten anpassen. Zudem könnten spezielle Sicherheitseinweisungen für Senioren helfen, die Reaktionszeit im Ernstfall zu verkürzen.

Die Forschenden räumen ein, dass auch Kinder, Kleinkinder und schwangere Frauen die Evakuierungszeit verlängern könnten. Das wollen sie künftig gezielt untersuchen.


Bildnachweis: © Pavel Neubauer/TASR/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Osterfeuer im Landkreis TF
Aktuell

Am Gründonnerstag finden bereits die ersten Osterfeuer statt.

weiterlesen...
Motorradfahrer verstirbt nach Unfall (Am Mellensee, K 7228 zwischen Rehagen und Sperenberg)
Polizeimeldung

Die Polizei ist am Samstagnachmittag über einen schweren Verkehrsunfall auf der Kreisstraße zwischen Rehagen und...

weiterlesen...
Verzögerung bei Bau der Bahnstrecke Berlin-Dresden um 4 Jahre
Aktuell

Die fehlenden Teilbereiche beim Ausbau der Strecke Berlin-Dresden sollen voraussichtlich erst 2033 ans Netz gehen

weiterlesen...

Neueste Artikel

Nach Mond-Mission: Crew «gesund und glücklich» auf der Erde
Aus aller Welt

Erfolgreiche Landung nach historischer Mission: Erstmals seit mehr als 50 Jahren waren Menschen in der Nähe des Mondes. Sie sahen zuvor Ungesehenes und stellten Rekorde auf. Jetzt wird ausgewertet.

weiterlesen...
Glücksspiel-Schwarzmarkt boomt: Politik und Firmen in Sorge
Aus aller Welt

Deutschlands Spielautomaten-Anbieter haben eine Pechsträhne. Der Schwarzmarkt erschwert den Firmen das legale Geschäft. Der Staat hat das Problem erkannt - aber tut er genug?

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Nach Mond-Mission: Crew «gesund und glücklich» auf der Erde
Aus aller Welt

Erfolgreiche Landung nach historischer Mission: Erstmals seit mehr als 50 Jahren waren Menschen in der Nähe des Mondes. Sie sahen zuvor Ungesehenes und stellten Rekorde auf. Jetzt wird ausgewertet.

weiterlesen...
Glücksspiel-Schwarzmarkt boomt: Politik und Firmen in Sorge
Aus aller Welt

Deutschlands Spielautomaten-Anbieter haben eine Pechsträhne. Der Schwarzmarkt erschwert den Firmen das legale Geschäft. Der Staat hat das Problem erkannt - aber tut er genug?

weiterlesen...