Nach seiner Flucht und der Festnahme in Kolumbien ist der Amokläufer von Ansbach wieder in der Psychiatrie. Er wurde am Morgen nach Deutschland und dann zurück nach Erlangen in die geschlossene Abteilung gebracht. «Es war eine filmreife Flucht und die Fahndung war oscarreif», sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Weitner. Details nannte er zunächst nicht. Der Mann war für einen Amoklauf im Jahr 2009 an einer Ansbacher Schule verurteilt. Der damals 18-Jährige war mit einem Beil, Messern und Molotow-Cocktails bewaffnet in die Schule gekommen und hatte neun Mitschüler und einen Lehrer verletzt. 2010 war er wegen versuchten Mordes in 47 Fällen zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt worden. Eine Jugendkammer hatte zudem die unbefristete Unterbringung in einer Psychiatrie angeordnet. Der Mann durfte bereits seit Beginn des Jahres regelmäßig die Forensische Psychiatrie zu Tagesausgängen verlassen. Das war Teil der Therapie. Bislang habe es laut Staatsanwaltschaft dabei keine Vorkommnisse gegeben. Seinem Anwalt David Mühlberger zufolge hatte er Fortschritte in der Therapie gemacht. «Er hatte zuletzt 30-stündigen Ausgang pro Woche, da hätte er, wenn es seine Absicht gewesen wäre, die ganze Zeit Straftaten begehen können», so Mühlberger. Laut Staatsanwaltschaft wurde zuletzt am 4. Juli dieses Jahres die weitere Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie angeordnet. Dabei habe es bis zur Flucht keine Vorkommnisse oder Beanstandungen gegeben. Vor rund drei Wochen dann kehrte der Mann von einem unbegleiteten Ausgang nicht mehr zurück. Zunächst führte die Spur nach München. Direkt nach der Flucht hatte die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es einen Kontakt in die bayerische Landeshauptstadt gebe, der überprüft werde. Während seiner Unterbringung hat er laut Staatsanwaltschaft eine Frau über das Internet kennengelernt. Ob hier ein Zusammenhang vorliegt, war zunächst nicht bekannt. Festgenommen wurde der Mann dann in Kolumbien. «Dank der akribischen Arbeit der Kriminalpolizeiinspektion Erlangen und der speziell ausgebildeten Zielfahnder beim bayerischen Landeskriminalamt konnte der Flüchtige sogar im Ausland schnell ausfindig gemacht und in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt in einem Musterbeispiel internationaler Zusammenarbeit zurückgebracht werden», teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit. Viele Fragen sind aber noch offen, etwa, wie der Mann untertauchen und nach Kolumbien kommen konnte. Warum der Mann geflohen ist, wirft Fragen auf. Denn er hätte möglicherweise ohnehin bald mehr Freiheiten genießen können: «Wenn alles komplikationslos gelaufen wäre, wäre ein Entlasszeitraum innerhalb von zwei Jahren nach meiner Überzeugung realistisch gewesen. Das hätte das Probewohnen allerdings schon beinhaltet, heißt, er wäre zwar formal noch in der Maßregel gewesen, tatsächlich hätte er allerdings schon zuhause gewohnt», sagte Mühlberger. Einen neuen Prozess erwartet den 34-Jährigen nicht. «Das, was er jetzt getan hat, stellt letzten Endes einen Verstoß gegen die Hausordnung dar, das ist strafrechtlich nicht relevant», erklärt sein Anwalt. Früheren Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge muss der Mann aber damit rechnen, dass alle Lockerungsmaßnahmen zurückgenommen werden. Es werde eine neue Risikobewertung vorgenommen. Das Klinikum wollte sich zunächst auf Anfrage nicht äußern.Blutiger Amoklauf, dann Jahre in der Psychiatrie
Ermittlungen bis nach Südamerika
Er wäre vielleicht bald freigekommen
Wie es jetzt weitergeht
Bildnachweis: © Daniel Löb/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
«Oscarreife Fahndung»: Amokläufer wieder in Psychiatrie
Vor Jahren verletzte er mehrere Schüler, im August floh er spektakulär aus der Psychiatrie bis nach Kolumbien. Nun ist der Mann wieder gefasst. Was bisher bekannt ist.
Meistgelesene Artikel
- 29. Januar 2026
Mann bei Verkehrsunfall schwer verletzt (Dahme/Mark, L 71 zwischen Dahme und Zagelsdorf)
Die Polizei ist am späten Mittwochabend über einen Verkehrsunfall auf der L 71 informiert worden. Nach derzeitigem...
- 5. Februar 2026
Netzausfall in Stuttgart - Internet und Mobilfunk fallen aus
In der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg fällt am Morgen der Strom aus. Für viele Menschen in der Stadt hat das spürbare Auswirkungen. Nun ist klar, warum kurzzeitig die Energie weg war.
Unser Fakt des Tages!
Neueste Artikel
- 13. Februar 2026
Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz nimmt die Arbeit auf
Am 9. Februar 2026 fand die erste Sitzung des Stiftungsrats der neu gegründeten Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz statt
- 13. Februar 2026
Sicherheitsgipfel: Bahn kündigt weitere Schutzmaßnahmen an
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter will die Bahn mehr für die Sicherheit ihrer Beschäftigten tun. Konzernchefin Evelyn Palla stellt die nächsten Schritte vor.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 13. Februar 2026
Sicherheitsgipfel: Bahn kündigt weitere Schutzmaßnahmen an
Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter will die Bahn mehr für die Sicherheit ihrer Beschäftigten tun. Konzernchefin Evelyn Palla stellt die nächsten Schritte vor.
- 13. Februar 2026
Technische Störung legt Flughafen Köln/Bonn lahm
Wer übers Karnevalswochenende verreisen wollte, musste sich am Freitag auf dem Flughafen Köln/Bonn gedulden: Aufgrund einer technischen Störung war der Sicherheitsbereich vorübergehend gesperrt.

