22. Februar 2026 / Aus aller Welt

10 Jahre Schockfotos auf Zigaretten: Bringen sie etwas?

Ekelfotos auf Kippenschachteln sollen daran erinnern, was für üble Folgen Rauchen haben kann. Vor Jahren waren sie ein Aufreger, heute gehören sie Alltag. Aber machen sie eigentlich einen Unterschied?

Vor zehn Jahren beschloss der Bundestag: Auf allen Zigarettenschachteln müssen Warnbilder und -hinweise abgedruckt werden. (Symbolbild)
Veröffentlicht am 22. Februar 2026 um 07:00 Uhr von dpa

Faule Raucherbeine, schwarze Zahnstümpfe, zerfressene Lungen: Solche Bilder auf Zigarettenpackungen sollen vom Rauchen abschrecken. Vor rund zehn Jahren (am 25. Februar 2016) hat der Deutsche Bundestag beschlossen, dass solche Bilder mit entsprechenden Warnhinweisen auf die Verpackungen gedruckt werden müssen. Seit Mai 2016 sind die Schachteln mit den Schockfotos Teil des Alltagsbilds in deutschen Supermärkten und Kiosken. Hintergrund war die Umsetzung der sogenannten EU-Tabakrichtlinie.

Zeigt der Schockeffekt Wirkung?

Aber was haben die ekeligen Bilder gebracht? Halten sie Menschen wirklich vom Rauchen ab oder bringen sie gar jemanden dazu, damit aufzuhören? Einige Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahren geben Hinweise.

Untersuchungen, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie in der Fachzeitschrift «British Medical Journal» veröffentlicht worden sind, bescheinigen den Warnbildern zumindest eine stärkere Wirkung als rein textlichen Warnhinweisen: Sie lösten stärkere Reaktionen aus und riefen mehr negative Einstellungen gegenüber dem Rauchen hervor. Ebenso sollen sie effektiv darin sein, Absichten zu beeinflussen – so wie die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst damit anzufangen.

Tatsächlicher Einfluss aufs Rauchen schwer nachweisbar

In Deutschland rauchte zuletzt etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung – mit einer seit Jahren sinkenden Tendenz. Das geht unter anderem aus den jährlichen Berichten von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervor.

Ob jedoch aufgrund der Schockfotos weniger geraucht wird, ist kaum nachzuweisen. Forscher weisen im «British Medical Journal» darauf hin, dass es schwierig sei, den isolierten Effekt der Warnbilder auf das Verhalten zu bestimmen, da Regierungen diese oft zusammen mit anderen Maßnahmen einführten. In Deutschland haben etwa in den vergangenen 20 Jahren viele Bundesländer das Rauchen in Innenräumen der Gastronomie untersagt.

Bessere Wirkung ohne Logos und Markenfarben?

Mittlerweile spielen auch E-Zigaretten in Deutschland eine größere Rolle, für diese gelten andere Regeln. Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Derzeit bereiten uns insbesondere die Verpackungen von E-Zigaretten Sorge, die durch farbenfrohe Designs besonders ansprechend für Kinder und Jugendliche daherkommen.» Man fordere als Krebshilfe die Einführung standardisierter Verpackungen – im Fachjargon Plain Packaging genannt – für alle Tabakprodukte, um die Attraktivität zu verringern. Damit sind Verpackungen ohne Logos und typisches Markendesign gemeint. «Auch die Warnhinweise zu Gesundheitsrisiken kämen damit deutlicher zur Geltung», so Nettekoven.

Die WHO wies in einer Bewertung im vergangenen Jahr darauf hin, dass solches Plain Packaging die Wirkung der Warnhinweise tatsächlich verbessert. Dies hätten Bewertungsstudien aus Ländern gezeigt, in denen Plain Packaging bereits eingeführt worden sei, wie etwa in Dänemark, Belgien, Finnland oder Frankreich, hieß es.


Bildnachweis: © Monika Skolimowska/ZB/dpa
Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Seestrand Senftenberg wird modernisiert und erweitert: Zweckverband Lausitzer Seenland erhält 1,66 Millionen Euro
Kommunen

Der Seestrand Senftenberg wird modernisiert und touristisch ausgebaut: Die Chefin der Staatskanzlei, Ministerin Kathrin...

weiterlesen...
Jäger tödlich verletzt (Nuthe-Urstromtal, Jänickendorf, Waldgebiet)
Polizeimeldung

Am Sonntagabend waren zwei 56 und 82 Jahre alte Männer gemeinsam im Wald bei Jänickendorf auf Jagd. Dabei sollen nach...

weiterlesen...
Wohnhaus in Brand (Blankenfelde-Mahlow, Mahlow, Beethovenstraße)
Polizeimeldung

Die Polizei ist in der Nacht zu Donnerstag durch die Rettungsleitstelle über einen Brand in der Beethovenstraße in...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Mann stirbt in Tigergehege in England
Aus aller Welt

In einem Zoo im Norden Englands spielt sich ein dramatischer Vorfall ab. Ein Mann gerät in direkten Kontakt mit einem Sibirischen Tiger - für ihn kommt jede Hilfe zu spät.

weiterlesen...
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
Aus aller Welt

In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Mann stirbt in Tigergehege in England
Aus aller Welt

In einem Zoo im Norden Englands spielt sich ein dramatischer Vorfall ab. Ein Mann gerät in direkten Kontakt mit einem Sibirischen Tiger - für ihn kommt jede Hilfe zu spät.

weiterlesen...
USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
Aus aller Welt

In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.

weiterlesen...