Nach Jahren ohne entsprechende Struktur kommt der Aufbau von Kinderschutzinstitutsambulanzen (KIA) in Brandenburg nun voran. Auf Initiative von Gesundheitsministerin Britta Müller wird am 15. April 2026 am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam die erste Kinderschutzinstitutsambulanz im Land Brandenburg eröffnet. Damit wird ein Vorhaben umgesetzt, das über zwei Legislaturperioden hinweg diskutiert worden war, ohne dass konkrete Strukturen entstanden. Erst mit der Initiative von Ministerin Müller wurde der Aufbau der spezialisierten Anlaufstellen organisatorisch auf den Weg gebracht.
Gesundheitsministerin Müller: „Brandenburg braucht dringend spezialisierte ambulante Anlaufstellen für Kinder, die Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung erfahren haben. Mit den Kinderschutzinstitutsambulanzen schaffen wir erstmals eine verlässliche medizinische Struktur, um Verdachtsfälle fachlich fundiert zu klären und betroffene Kinder schnell zu schützen.“
Zum Auftakt überreichte die Ministerin heute in Potsdam einen Lottomittelscheck über 25.000 Euro an das Klinikum. Brandenburg war bislang das einzige Bundesland ohne eine Kinderschutzinstitutsambulanz. Im Laufe des Jahres 2026 sollen deshalb insgesamt fünf solcher Einrichtungen in den fünf Krankenhausversorgungsregionen des Landes entstehen. Der Standort in Potsdam deckt die Versorgungsregion Havelland-Fläming ab. Eine zweite Kinderschutzinstitutsambulanz wird am 28. April 2026 in Eberswalde eröffnet, weitere Standorte folgen im Laufe des Jahres.
Müller: „Brandenburg war bislang das einzige Bundesland ohne eine solche Einrichtung. Mit dem Aufbau von zunächst fünf Standorten schließen wir diese Lücke und stärken den medizinischen Kinderschutz im ganzen Land.“
Im Jahr 2026 werden die neuen Strukturen zunächst mit Lottomitteln angeschoben. Damit wird eine Brücke gebaut, um den Aufbau der Ambulanzen zu ermöglichen. Ab 2027 soll die Finanzierung der Strukturen dauerhaft über den Landeshaushalt erfolgen.
Müller: „Mit den Lottomitteln bauen wir eine Brücke, damit die Strukturen jetzt starten können. Ab 2027 müssen die Kinderschutzinstitutsambulanzen dauerhaft über den Landeshaushalt finanziert werden, damit sie langfristig und verlässlich arbeiten können.“
Kinderschutzinstitutsambulanzen sind spezialisierte medizinische Anlaufstellen zur Abklärung von Kindeswohlgefährdungen. Dort arbeiten Fachkräfte des medizinischen Kinderschutzes eng mit der Kinder- und Jugendhilfe zusammen. Ihre zentrale Aufgabe ist die ambulante medizinische Untersuchung von Kindern und Jugendlichen bei Verdacht auf körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt sowie bei Anzeichen von Vernachlässigung. Gleichzeitig dokumentieren die Fachkräfte mögliche Verletzungen fachgerecht und schaffen damit eine wichtige Grundlage für die Arbeit von Jugendämtern, Polizei und Gerichten. Darüber hinaus beraten die Ambulanzen Jugendämter, Schulen, Kitas, Polizei und andere Einrichtungen bei Verdachtsfällen.
Der Bedarf für eine medizinische Einschätzung in Fällen möglicher Kindeswohlgefährdung steigt seit Jahren. Im Jahr 2024 führten die Jugendämter in Brandenburg 8.501 Verfahren zur Einschätzung einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls durch. Nach Einschätzung der Jugendämter ist in etwa zehn Prozent dieser Fälle eine medizinisch-psychiatrische Begutachtung erforderlich. Mit dem Aufbau der Kinderschutzinstitutsambulanzen entsteht nun erstmals eine landesweit strukturierte medizinische Infrastruktur, um Verdachtsfälle fundiert abzuklären und betroffene Kinder schneller und besser zu schützen.












