21. Mai 2026 / Aktuell

Pionierprojekt für Brandenburgs Wälder

Startschuss für den „Diedersdorfer Dauerwald“

Veröffentlicht am 21. Mai 2026 um 08:49 Uhr von Kreisverwaltung Teltow-Fläming

Startschuss für den „Diedersdorfer Dauerwald“

Öffentlich-private Partnerschaft: Bio-Getränkehersteller A. Dohrn & A. Timm, lokale Waldeigentümer und Landkreis Teltow-Fläming bündeln Kräfte
Nachhaltiger Waldumbau: Pionierprojekt transformiert 50 Hektar Monokultur am südlichen Stadtrand von Berlin in klimaresilienten Dauerwald
Mehr Wasserschutz: Zusätzliche Grundwasserneubildung von 24 Millionen Litern pro Jahr erwartet
Innovatives Finanzierungsmodell: „Zukunftsprämie“ macht ökologische Bewirtschaftung für Waldbesitzer wirtschaftlich attraktiv

Angesichts von Rekordtrockenheit und immer sichtbareren Waldschäden startet heute im Landkreis Teltow-Fläming ein wegweisendes Pionierprojekt: der „Diedersdorfer Dauerwald“. Auf einer rund 50 Hektar großen Fläche am südlichen Stadtrand von Berlin wird unter wissenschaftlicher Begleitung praktisch demonstriert, wie anfällige Monokulturen in zukunftsfähige, klimastabile Mischwälder umgewandelt werden können. Initiatoren des Projekts sind der Bio-Getränkehersteller A. Dohrn & A. Timm aus Diedersdorf, lokale Waldeigentümer sowie der Landkreis Teltow-Fläming.

 

Die öffentlich-private Partnerschaft bündelt dabei erstmals regionale Wirtschaft, kommunale Akteure und private Waldbesitzer in einem gemeinsamen Modellprojekt für nachhaltigen Waldumbau und aktiven Wasserschutz. Ziel ist es, den Wald langfristig klimaresilient zu entwickeln und zugleich die natürliche Grundwasserneubildung deutlich zu stärken – Experten erwarten zusätzliche 24 Millionen Liter Wasser pro Jahr allein auf den Projektflächen.

Kern des Vorhabens ist ein innovatives Finanzierungsmodell: Mit einer sogenannten „Zukunftsprämie“ soll ökologische Waldbewirtschaftung für Eigentümer wirtschaftlich attraktiv werden und damit neue Anreize für den Umbau geschädigter Waldflächen schaffen.

Den feierlichen Startschuss für das Pioniervorhaben gaben heute Nico Karolzyk (Referent für Forstpolitik im Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg), Kornelia Wehlan (Landrätin Landkreis Teltow-Fläming) sowie Sabine und Charlotte Mühlbauer (Inhaberfamilie A. Dohrn & A. Timm). In einer gemeinsamen Aktion pflanzten die Partner die ersten Bäume, enthüllten projektbegleitende Schautafeln für Waldbesucher und setzten damit ein sichtbares Zeichen für den ökologischen Aufbruch der Region.

Vom kranken Wald zur lebendigen „Wasserfabrik“

Spezieller Hintergrund des Projekts ist der kritische Zustand der Brandenburger Wälder. Laut aktuellem Waldzustandsbericht 2025 weisen 92 Prozent der Brandenburger Bäume Schäden auf. Der Anteil der Waldflächen mit deutlich sichtbaren Schäden ist auf fast 40 Prozent gestiegen – sieben Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Hauptursache für den schlechten Zustand der Brandenburger Wälder ist der fortschreitende Klimawandel, der durch anhaltende Dürreperioden und sinkende Grundwasserspiegel zu chronischem Wasserstress führt. Verstärkt wird diese Krise durch die vielfach schon zu DDR-Zeiten angelegten Kiefern-Monokulturen, denen es an Widerstandskraft gegen Extremwetter und Schädlinge fehlt.

Das Diedersdorfer Projekt setzt hier an: Auf Basis neuer Erkenntnisse aus dem EU-geförderten Forschungsprojekt „LIFE Future Forest“ wird der von Monokulturen geprägte Wirtschaftswald zum langfristig lebensfähigen Dauerwald umgebaut. Ein zentraler Hebel ist dabei die von A. Dohrn & A. Timm finanzierte „Zukunftsprämie“, die das Unternehmen an umbauwillige Waldeigentümer auszahlt. Bis zu 400 Euro pro Jahr und Hektar machen es für Waldeigentümer auch wirtschaftlich attraktiv, auf die weitere Pflanzung anfälliger Kiefern-Monokulturen zu verzichten. Mit der Pflanzung alternativer und optimal auf den Standort abgestimmter Baumarten wie Edellaubhölzern, Linden, Hainbuchen oder Ahornarten, erhöht sich die Widerstandskraft des Waldes gegen Trockenheit, Schädlings- und Hitzestress sowie Waldbrände. Durch optimale Bewirtschaftung können langfristig Holzmenge und -qualität gesteigert, die Humusschicht und die CO₂ -Speicherfähigkeit der Böden sowie die Artenvielfalt gestärkt werden. Außerdem wird die Erholungsfunktion des Waldes für die Bevölkerung der Region gestärkt, da so umgebaute Wälder in heißen Sommermonaten deutlich kühler sind. 

 

Ergänzend betont Forstwirt Ludwig Pertl, der die Umsetzung wissenschaftlich berät, die Tragweite für die lokale Wasserversorgung: „Ein gesunder Dauerwald wirkt wie ein Schwamm. Der Diedersdorfer Dauerwald kann künftig mindestens 100 Liter mehr Wasser pro Quadratmeter speichern als konventionelle Flächen. Dieses Wasser steht den Pflanzen zur Verfügung, sorgt durch Verdunstung für Kühle oder fließt dem Grundwasser zu. Insgesamt entstehen durch das Projekt so jährlich rund 24 Millionen Liter zusätzliches Grundwasser. Wenn man die Wälder in ganz Brandenburg umbauen würde, wären das hochgerechnet bereits rund 350 Milliarden Liter. Das übertrifft den Wasserbedarf von ganz Berlin und Brandenburg.“

Stimmen zum Projektstart

Nico Karolzyk, Referent für Forstpolitik im Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg: „Innovative Konzepte wie der Dauerwaldansatz sind essenziell, wenn wir den Brandenburger Wald klimaresilient machen wollen. Dass hier neueste wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Fläche gebracht werden und Partner aus der Region so entschlossen gemeinsam anpacken, hat echten Pioniercharakter.“

Kornelia Wehlan, Landrätin Teltow-Fläming: „Der Landkreis hat sich früh auf den Weg gemacht, klare Leitlinien für die Bewirtschaftung der kreiseigenen Wälder zu entwickeln. Angesichts der bereits deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels setzt das Projekt ein wichtiges Zeichen: Es verleiht diesem Weg zusätzliche Kraft und Sichtbarkeit und stärkt unsere Wälder langfristig durch Investitionen in widerstandsfähige Wälder und Maßnahmen zur Klimaanpassung.“

Sabine Mühlbauer, Inhaberin A. Dohrn & A. Timm: „Als Hersteller von Bio-Säften und Bio-Mineralwasser haben wir die natürlichen Kreisläufe unserer Natur immer im Blick, ganz besonders den Wasserkreislauf. Fakt ist: Ein gesunder Wald mit gesunden Böden ist eine der wichtigsten Stellschrauben für sauberes Wasser. Und mit dem heute gestarteten Pionierprojekt tragen wir hier vor Ort dazu bei, dass auch zukünftige Generationen noch gutes Wasser haben. Ganz im Sinne der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser e.V., der wir mit unserer Schwesterfirma Brandenburger Mineralbrunnen angehören und deren Partner sich als ‚Bio-Wasserbauern‘ verstehen.“

 

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