19. Mai 2026 / Aktuell

NaturSchutzFonds unterstützt Vermehrung der Bachmuschel

Ziel der Maßnahme ist es, die Fortpflanzung der selten gewordenen Art gezielt zu unterstützen.

Veröffentlicht am 19. Mai 2026 um 14:21 Uhr von EU-Projekt „LIFE Bachmuschel“

Um die vom Aussterben bedrohte Bachmuschel zu fördern, hat die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg in der vergangenen Woche mehrere tausend Fische mit Bachmuschellarven beimpft und anschließend in die Dahme, das Barolder Mühlenfließ (beide Dahme-Spreewald) sowie in den Cederbach (Prignitz) zurückgesetzt.

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte die Bachmuschel zu den häufigsten Muschelarten in Brandenburgs Fließgewässern. Heute ist sie vom Aussterben bedroht. Hauptursachen für den drastischen Rückgang sind Gewässerausbau und -begradigung, die mit dem Verlust wichtiger Lebensraumstrukturen wie Totholz, Wasserpflanzen und Ufergehölzen einhergehen.

Zusätzlich erschwert ihr komplexer Fortpflanzungszyklus der Art das Überleben: Die Larven der Bachmuschel sind darauf angewiesen, sich an die Kiemen bestimmter Wirtsfische – etwa Elritzen, Stichlinge oder Groppen – anzuheften, um sich dort zu Jungmuscheln zu entwickeln. Da sowohl Muscheln als auch geeignete Wirtsfische vielerorts selten geworden sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Vermehrung erheblich.

Nachhilfe bei der Vermehrung

Im Rahmen ihres EU-Projekts „LIFE Bachmuschel“ hat die Stiftung gemeinsam mit dem Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow (IfB) nun gezielt bei der Vermehrung nachgeholfen. Zunächst wurden trächtige Muscheln aus der Spree und der Karthane gesammelt und deren Larven im Labor aufgefangen. Anschließend fischten Mitarbeiter des IfB überwiegend Elritzen und Stichlinge aus diesen Flüssen. Die Fische wurden nach dem Fang in einen belüfteten Tank gesetzt und die Muschellarven dazugegeben, sodass sie sich an den Kiemen festsetzen konnten.

Insgesamt wurden 2.400 Fische auf diese Weise mit Bachmuschel-Glochidien beimpft und wieder in die jeweiligen Fließgewässer zurückgesetzt, wo sich nach etwa vier Wochen die fertig entwickelten Jungmuscheln von den Fischen lösen und ihr Leben im Flussbett fortsetzen werden. Projektleiter Eric Hübner erläutert: „Diese Methode hat sich international, beispielsweise in Schweden, bereits bewährt. Im Rahmen unseres Projektes wenden wir sie zum dritten Mal an.“

In sieben Landkreisen an Gewässern aktiv

2023 hat die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg ihr Projekt „LIFE Bachmuschel“ gestartet. In neun Fließgewässern in den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Dahme-Spreewald, Spree-Neiße, Oder-Spree und Oberspreewald-Lausitz sollen die Vorkommen der Muschel erhalten sowie deutlich vergrößert und damit auch die Gewässer sauberer werden. Die Bachmuschel ist hierfür von enormer ökologischer Bedeutung. Jedes einzelne Exemplar filtert pro Tag bis zu 85 Liter Wasser und reinigt so Flüsse und Bäche.

Neben der gezielten Vermehrung steht die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume im Fokus. Dazu werden unter anderem Kies und Totholz in die Gewässer eingebracht, um Strukturvielfalt und Dynamik zu erhöhen. Zudem werden ehemalige Altarme, die bei früheren Begradigungen abgetrennt wurden, wieder an Flüsse angebunden.

Ergänzend pflanzt das Projektteam Hecken und Ufergehölze, um Nährstoff- und Sedimenteinträge zu reduzieren und die Gewässer durch Beschattung vor dem Überhitzen zu schützen. An ausgewählten Stellen werden außerdem sogenannte Sandfänge angelegt, um überschüssige Feinsedimente zu reduzieren. Dies ist entscheidend, da sich junge Bachmuscheln nur in gut durchströmten, sauerstoffreichen Gewässerböden entwickeln können. Von den zahlreichen Maßnahmen im Projekt werden nicht nur die Mollusken profitieren, sondern viele weitere Fließgewässer-Arten wie Steinbeißer, Köcherfliege und Edelkrebs.

Die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg

Um die Vielfalt und die natürliche Schönheit der märkischen Landschaften zwischen Elbe und Oder, Lausitz und Uckermark auch für die kommenden Generationen zu bewahren, hat das Land Brandenburg die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg errichtet. Seit 1995 betreut die Stiftung die Ersatzzahlung im Land Brandenburg. Mehr als 1.300 Naturschutzprojekte hat die Stiftung in diesen Jahren gemeinsam mit Landkreisen und Kommunen, Verbänden und Vereinen sowie weiteren Partnern wie zum Beispiel Landwirtschaftsbetrieben, Kirchengemeinden oder Privatpersonen möglich gemacht oder in eigener Trägerschaft verwirklicht.

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