Es ist April – und vielerorts in Brandenburg bieten die Felder ein ungewohntes Bild: helle, graue Flächen, ungleichmäßig wachsende Pflanzen und trockene Erde, die der Wind über die Äcker trägt. Obwohl eigentlich Frühling ist, fehlt es den Böden bereits wieder an Feuchtigkeit.
Schon der März fiel – wie in den vergangenen Jahren – deutlich zu trocken aus. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 verzeichnete der Deutscher Wetterdienst im März rund 36,4 Millimeter Niederschlag. In diesem Jahr waren es jedoch lediglich 15,6 Millimeter – also nicht einmal die Hälfte.
Auch die Temperaturen zeigen einen klaren Wandel. Während der durchschnittliche Märzwert im Referenzzeitraum noch bei 3,5 Grad Celsius lag, stieg er in den vergangenen zehn Jahren bereits auf 5,6 Grad. Der diesjährige März lag mit durchschnittlich 6,7 Grad sogar noch darüber. Gleichzeitig hat auch die Sonnenscheindauer deutlich zugenommen: Statt früher üblichen 140 Stunden wurden diesmal 206 Stunden gemessen. Das verstärkt die Verdunstung zusätzlich und verschärft die Trockenheit weiter.
Die aktuelle Wetterlage in der Region Berlin-Brandenburg ist Teil eines größeren atmosphärischen Systems: des sogenannten Jetstreams. Dieses starke Windband in rund zehn Kilometern Höhe beeinflusst maßgeblich die Wetterentwicklung über Europa. Es entsteht durch Temperatur- und Druckunterschiede zwischen kalter Polarluft und wärmerer Luft aus südlicheren Regionen. Doch durch die rasche Erwärmung der Arktis nimmt dieser Temperaturunterschied ab – der Jetstream wird schwächer, instabiler und beginnt stärker zu mäandern.
Für die Böden besonders wertvoll ist gleichmäßiger, langanhaltender Regen. Fachleute sprechen hier von „Landregen“, bei dem das Wasser langsam in den Boden einsickern kann. Kurze, intensive Schauer hingegen sind deutlich weniger effektiv: Ein großer Teil des Wassers verdunstet schnell oder fließt oberflächlich ab, ohne die tieferen Bodenschichten zu erreichen.
Der vergangene Winter brachte zwar Schnee und längere Frostperioden mit sich, doch auch das konnte die Situation nur begrenzt verbessern. Zwar wirkt Schnee als eine Art Wasserspeicher, der beim langsamen Schmelzen der Vegetation zugutekommt – ein nachhaltiger Ausgleich für die anhaltende Trockenheit im Frühjahr ist das jedoch nicht.
Diese Frühjahrs-Trockenheit ist längst kein rein regionales Problem mehr, sondern zeigt sich zunehmend in ganz Deutschland. Allerdings ist Ostdeutschland stärker kontinental geprägt: Der Einfluss ausgleichender Meeresluft fehlt hier weitgehend. Regen bringende Tiefdruckgebiete ziehen meist vom Atlantik heran und regnen sich häufig bereits über den westlichen Landesteilen ab. Entsprechend fällt die jährliche Niederschlagsmenge im Osten mit etwa 500 bis 600 Millimetern deutlich geringer aus als im Westen, wo teilweise bis zu 300 Millimeter mehr erreicht werden.
Einige Faktoren wirken sich weiterhin negativ aus – allen voran der niedrige Grundwasserspiegel. Um ihn spürbar anzuheben, wären über mehrere Jahre hinweg gleichmäßige Niederschläge notwendig. Doch genau das ist wenig wahrscheinlich: Der Klimawandel führt zu höherer Verdunstung und einer zunehmend ungleichmäßigen Verteilung des Regens. Um gegenzusteuern, bräuchte es Wetterlagen, die es so seit Jahren kaum noch gegeben hat.
Flusswasser für die Bewässerung?
Vor diesem Hintergrund werden verschiedene Ansätze für alternative Bewässerung diskutiert – etwa die Nutzung von Flusswasser. Grundsätzlich ist das technisch möglich. Für die landwirtschaftliche Bewässerung kämen beispielsweise Elbe oder Oder infrage. Allerdings gilt die Oder als stärker belastet, während die Elbe vergleichsweise sauber ist. Würde Flusswasser großflächig zur Bewässerung eingesetzt, könnte ein Teil davon langfristig ins Grundwasser gelangen – ein durchaus gewünschter Effekt.
Schon heute bewässern einige landwirtschaftliche Betriebe ihre Felder, meist mit Grundwasser. Darüber wird jedoch selten offen gesprochen, da die Entnahmemengen eigentlich reguliert sind und sensibel betrachtet werden.
Gegen eine großflächige Nutzung von Flusswasser sprechen allerdings mehrere Punkte: Zum einen würde den Flüssen erhebliche Wassermenge entzogen. Zum anderen wäre die Umsetzung mit einem enormen infrastrukturellen Aufwand verbunden. Hinzu kommt die politische Dimension: Wasserumleitungen sind weltweit ein sensibles Thema. Auch hierzulande gibt es Vorbehalte – insbesondere aus anderen Bundesländern. Selbst wenn es nur um zwei bis drei Prozent der Wassermenge ginge, wird die Frage gestellt, warum Wasser aus anderen Regionen nach Brandenburg geleitet werden sollte.

