14. Januar 2026 / Aktuell

Aus Roggen wird Reis: Neues Projekt schafft regionale und klimafreundliche Alternative

Aus brandenburgischem Bio-Roggen eine regionale und klimafreundliche Alternative zu entwickeln – das hat sich das Projekt RoggReis zum Ziel gesetzt

Veröffentlicht am 14. Januar 2026 um 10:43 Uhr von Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Damit sollen auch neue Vermarktungsmöglichkeiten für die für das Land Brandenburg typische Getreidesorte geschaffen werden.

„Roggen wächst ideal auf den brandenburgischen Böden, kommt mit den sich ändernden klimatischen Bedingungen zurecht und ist im Ökolandbau ein zentraler Bestandteil der Fruchtfolge. Eigentlich nur Vorteile – doch Nachfrage und Preis bleiben hinter den Erwartungen der Landwirte zurück“, erklärt Gerald Köhler, Projektleiter und Co-Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. Gemeinsam mit dem Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung (ILU), der Bioland Beratung Ost und sechs engagierten Landwirtschaftsbetrieben treibt er die Entwicklung voran: damit aus Roggen ein leckeres Risotto werden kann. Das Projekt „RoggReis“ will eine neue Wertschöpfung jenseits von Brotgetreide schaffen. Die FÖL leitet das Projekt, während das Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung die Produktentwicklung übernimmt und die Bioland Beratung Ost die landwirtschaftlichen Betriebe fachlich begleitet, die den Roggen für das Projekt anbauen.

Optimierung der Produkt-Eigenschaften

Um eine möglichst reisähnliche Qualität zu erreichen, arbeitet das Projektteam intensiv daran, die Kocheigenschaften, Konsistenz und Farbe von geschliffenem Roggen zu optimieren. Schleifversuche, Nährstoffanalysen und sensorische Tests haben gezeigt, dass vor allem die Sorte Lichtkornroggen ein hohes Potenzial für die Ziele des Projektes besitzt. Zur Stabilisierung der Konsistenz werden verschiedene Verfahren wie Parboiling, Dämpfen oder Vorkochen geprüft.

 

Milchreis auf Roggenbasis überzeugt

Besonders weit fortgeschritten ist die Entwicklung einer Milchreis-Variante, die im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung stark nachgefragt wird. Durch eine Anpassung der Schleifzeit konnte der Roggen-Milchreis in ersten Tests geschmacklich und optisch überzeugen. Der nächste Schritt ist die Produktion größerer Testmengen, um das Produkt in Großküchen unter realen Bedingungen zu erproben. Köhler betont: „Wir haben die Chance, regional erzeugte Alternativen zu importiertem Reis zu bieten und dem Roggen damit einen neuen, zeitgemäßen Wert zu verleihen.“

Praxispartner mit Know-how

Alle sechs beteiligten Landwirtschaftsbetriebe tragen mit Anbau und Praxiswissen entscheidend zum Projekt bei. In Barnim ist der Hof Hübner beteiligt, im Spreewald Gut Ogrosen, der Landwirtschaftsbetrieb Markus Schilka und die T+M Ökolandhöfe, aus Märkisch-Oderland der Beerfelder Hof und aus dem Fläming Tino Ryll (Ryll Landwirte GbR). Ryll erklärt: „Wir sind der einzige Betrieb im Projekt, der nicht bio-zertifiziert ist, sondern regenerative Landwirtschaft betreibt. Ich schätze den Austausch mit den Kollegen sehr – wir können alle voneinander profitieren. „RoggReis“ ergänzt unser Sortiment hervorragend, und ich bin überzeugt, dass das Interesse unserer Kundinnen und Kunden groß sein wird.“

Ausblick: Drei Produktvarianten

Bis zum Projektabschluss sollen drei marktfähige Produkte entstehen: eine Alternative für Risotto- und Milchreis, eine langkornähnliche Variante sowie eine glutenfreie Option auf Haferbasis. Sie sollen sowohl im Großverbraucherbereich als auch im Einzelhandel angeboten werden. Aktuell laufen weitere ernährungsphysiologische Analysen und die Optimierung der Verarbeitungstechnologie, während die Öffentlichkeitsarbeit die Verbraucherinnen und Verbraucher gezielt über die neue Produktreihe informiert.

Das EIP-Projekt hat eine Laufzeit bis 2028. Die bewilligten Mittel belaufen sich auf 1.539.898 Euro davon aus ELER-Mitteln 1.231.918 Euro und aus Landesmitteln 307.980 Euro. Der Förderung liegt die Richtlinie des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz über die Gewährung von Zuwendungen für die Förderung von Projekten im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zugrunde.

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