Am 22. April 1945 endete für die Patienten und das medizinische Personal des ehemaligen „Ausländerkrankenhauses Mahlow“ die nationalsozialistische Herrschaft. Um an dieses Datum zu erinnern, legte Bürgermeister Michael Schwuchow anlässlich des 81. Jahrestags einen Kranz am Eingang des ehemaligen Krankenlagers nieder.
„Wir tragen die Verantwortung, das Leid der über 1.400 Menschen, die hier ihr Leben ließen, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, so Schwuchow während des Gedenkens. Als zentrales Element dieser Erinnerungskultur stellt die Gemeinde ab sofort eine neu geschaffene Online-Datenbank zur Verfügung. Diese macht die Namen der Verstorbenen, deren Lebensdaten sowie Angaben zur Herkunft und Todesursache erstmals digital zugänglich.
Zwischen 1942 und 1945 verstarben im Lager mehr als 1.400 Menschen. Die meisten von ihnen fanden ihre letzte Ruhe auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde-Stahnsdorf. Die neue Datenbank der Gemeinde basiert auf den Sterberegistern des Standesamtes Blankenfelde-Mahlow. Sie dient dem ehrenden Gedenken und ermöglicht es Angehörigen sowie historisch Interessierten weltweit, nach den Namen der Opfer zu suchen. Damit setzt die Gemeinde ein modernes Zeichen gegen das Vergessen und gibt den Verstorbenen ein Stück ihrer Würde und Identität zurück.
Die Datenbank ist ab sofort unter www.blankenfelde-mahlow.de/gedenkort abrufbar.
Hintergrund: Ein Ort der Zwangsarbeit und des Leids
Das „Ausländerkrankenhaus Mahlow“ war das größte Krankenlager der Region und integraler Teil des nationalsozialistischen Lagersystems. Zwangsarbeitende wurden hier mit minimalem Aufwand lediglich so weit versorgt, dass sie wieder „arbeitsfähig“ gemacht wurden. Besonders viele Patienten mit Tuberkulose wurden nach Mahlow überstellt. In der gynäkologischen Abteilung kamen zudem über 340 Kinder zur Welt, von denen etwa 40 ihr erstes Lebensjahr nicht überlebten. Der Betrieb wurde maßgeblich durch sowjetisches medizinisches Personal aufrechterhalten, das selbst zur Zwangsarbeit verpflichtet war.

